Ein ganz normaler Morgen in naher Zukunft…
Genüßlich schlürfst Du am frühen Morgen einen aromatisch duftenden Kaffee, der von einer der vielen Sklavenplantagen (27 Millionen Sklaven belegen allein die offiziellen Statistiken) den Weg in Dein trautes Heim fand. Ein Schuß Sahne könnte er noch gut vertragen, denkst Du, und entnimmst den Becher Deinem ältlichen Kühlschrank, um dem Verlangen nachzukommen. Tief in Dir drin arbeitet dabei unmerklich die eingebleute, bedrohliche Mär von den FCKW[1] als Ozonlochkillern. Der wahre entspannte Genuss, mag sich seitdem beim Anblick der kühlen Schatztruhe nicht mehr einstellen. Doch man gewöhnt sich an fast alles und es ist ja nur eine Kleinigkeit, die sich mit dem ökologisch motivierten Kauf eines neuen Modells hoffentlich bald erledigen wird. Das sagst Du Dir jedenfalls Jahr für Jahr auf´s Neue. Was soll´s, der Kaffee war jedenfalls prima und Du gießt artig noch einen Schluck Leitungswasser hinterher, um Deinen Flüssigkeitshaushalt wieder auszubalancieren. Angesichts der vielen Unkenrufe über die krankmachende Wirkung des Kaffees, ersäufst Du damit die Ausläufer Deines schlechten Gewissens.
Apropos Leitungswasser, durchzuckt es unerwartet Deine Hirnwindungen. Umweltschützer warnen seit Jahren vor den steigenden Nitratkonzentrationen im Trinkwasser. Ja, ja die Bauern, diese Umweltschweine, die Dünger und Gülle in inflationären Mengen auf dem zarten Grün ihrer gequälten Wiesen und Äcker verteilen! Vielleicht sollte ich doch besser industriell aufbereitetes Wasser in Flaschen kaufen? Da weiß man wenigstens, was man nicht hat. Dieses sterilisierte Gesöff glänzt durch Keimfreiheit und die Eliminierung von allem, was man gerade für Schadstoffe und störende Mineralien hält. Statt dessen wird je nach Zeitgeist und wissenschaftlicher Spekulation mal dies, dann wieder das hinzugepantscht.
Zudem gibt es gratis eine Dosis Desinfektionsmittel als Überbleibsel der Flaschenreinigung. Dein Darm wird sich auf seine Art darüber freuen. So nachdenklich wie routiniert balsamierst Du derweil Deine unbedeckten Körperstellen mit Sonnencreme ein. Faktor 800 ist gerade recht, höchstmöglicher Lichtschutz gegen die gefährlichen Strahlungen, die Dir durch das bedrohliche Ozonloch auf den Pelz brennen. Nicht auszudenken, wenn die Hautkrebskatastrophe über mich hereinbrechen sollte, steht es in Neonschrift vor Deinem geistigen Auge.
Weißlich, speckig glänzend und immer noch in Dich gekehrt, lässt Du die Sonnenbrille durch das Fett ins Gesicht gleiten. Vorsichtig tastenden Schrittes, denn im Flur ist es mit den coolen Gläsern ziemlich dunkel, gelingt es Dir, unverletzt das Haus zu verlassen. Fertig maskiert sehen Dich die Nachbarn von Schatten zu Schatten huschen, auf dem Weg zum Parkplatz Deines fahrbaren Klimakillers. Du springst in das Gefährt, dass man früher mal Auto nannte. Gerettet, jedenfalls für´s Erste. Entronnen bist Du dem bösartigen Strahlenbombardement vom gräßlich blauen Sommerhimmel. Die Erleichterung verfliegt unverzüglich mit einem weiteren aufkeimenden Ungemach. Wenn da nicht diese nagenden Zweifel wären, die Dich mit nie erlahmender Penetranz an das Alter Deiner Kohlendioxid Stinkbombe erinnern würden. In der Muße des täglichen Staus schweift Dein Blick verstohlen umher. Was Du siehst, beruhigt etwas, wenn auch nicht viel. Es gibt noch andere, die solche vierrädrigen Todesdroschken fahren. Vermutlich haben sie das ähnliche finanzielle Problem, ein neues, selbstverständlich kleineres Auto zu bestellen. Ja, aber ich muss bald Fakten schaffen, sonst ist meins am Ende gar nichts mehr wert. Das sagst Du Dir jedenfalls Jahr für Jahr auf´s Neue. Die Unruhe erhält einen weiteren Schub bei dem Gedanken an die zu erwartende behördliche Willkür, wenn es zukünftig um die Fahrt in europäische Innenstädte geht. Bei Smog- und Feinstaubalarm musst Du draussen bleiben, so wie Dein Dackel vor dem Supermarkt. Nun, dann fahre doch mit dem Fahrrad. Damit beweist Du Gemeinschaftssinn. Mit dem tiefen Inhalieren der verseuchten Luft, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Du der Rentenkasse nicht unnötig lange eine Bürde bist. Der Staat kann Dein Geld anderweitig gut verbraten. Darin hat er große Erfahrung vorzuweisen. Also sei bitte ein Menschenfreund, stirb früh und lieg anderen nicht auf der leeren Tasche rum.
Konferenz zur Rettung der Ozonschicht, London am 07.03.1989, Wortbeitrag von Prinz Charles: „Wichtig ist es, den Mann auf der Straße zu überzeugen, dass er sogar im Winter mit Sonnenbrille und einer dicken Schicht Sonnenöl mit Lichtschutzfaktor 16 auf die Straße gehen muss, wenn die Ozonschicht nicht geschützt wird.”
Quelle: Aus Ralf Schauerhammer, Sackgasse Ökostaat, Dr. Böttiger Verlags GmbH
Eine Freiheit willst Du Dir, wenn es dann endlich zum ersehnten Fahrzeugkauf kommen sollte, nach wie vor nicht nehmen lassen. Über die Farbe Deines neuen fahrbaren Untersatzes willst Du frei entscheiden, natürlich nur streng nach zertifizierten Testergebnissen. Gut sichtbar muss die Farbe sein. Denn Du möchtest rechtzeitig von den vielen Blindschleichen erkannt werden, die das Leben auf der Straße so unberechenbar und gefährlich machen sollen. Schließlich sterben auf dem Asphalt, oder knapp daneben, jedes Jahr allein in Deutschland etwa 8000 Menschen. Die Wahrheit ist, sie waren nicht schnell genug beim Arzt, um dort ihr Leben auszuhauchen. Denn ca. 50-70.000 Menschen beissen infolge von Therapie und Pille jährlich in die Laken – nur hier in Deutschland wohlgemerkt[2]. Wer sich mit letzter Kraft aus dem Würgegriff wohlmeinender Medizin befreien kann, den ereilt das Schicksal spätestens im Haushalt. Hier wählen deutschlandweit jedes Jahr ca. 12.000 den Teppichboden oder die Terracottafliesen als passende Unterlage für die letzten Atemzüge. Ein oft gebuchtes Erlebnis in diesem Segment ist der Freiflug von der Leiter samt Eimer und Putzlappen. Nirgendwo wird so kreativ gestorben. So bleibt es nur dem kümmerlichen Rest von rund 8000 vorbehalten, im Straßenverkehr übersehen zu werden, oder die verflixte Kurve selber zu verpassen, um mit lautem Getöse diesen Planeten zu verlassen.
Doch wir waren bei Deiner Kaufentscheidung stehengeblieben bzw. deren kümmerlichen Überbleibsel. Die langwierige Entscheidungsfindung beim Thema Farbwahl hast Du hinter Dir gelassen. Vier Farben standen zur Debatte, bei Kleinwagen ist das halt nicht so üppig. Eine davon war eine Sicherheitsfarbe. Toll, wie das Leben die Dinge richtet. Den verbleibenden Weg zur Modellwahl überlässt Du resigniert der magischen Zahl des Kohlendioxid-Ausstoßes, dieses fiesen Klimaschädlings. Schließlich willst Du Deinen Kindern noch in die Augen schauen können und ihnen keinen Wüstenplaneten überlassen – zu eindringlich war die kürzliche Hauptschlagzeile einer weithin bekannten Massenzeitung “Unser Planet stirbt”.
Liegt es an der dunklen Sonnenbrille oder an dem zunehmend milchigen Blick? Milchig, weil sich die Sonnencreme zusehends in Schlieren auf Deiner Bindehaut verteilt, dass Du die durchweg gesunden Bäume am Fahrbahnrand nicht zur Kenntnis nimmst?……….
Oder ist es die panische Anspannung, die aus der hartnäckigen Berichterstattung über dahinsiechende und sterbende Wälder resultiert?……
[1] FluorChlorKohlenWasserstoffe, reaktionsträge chemische Verbindungen, die als Kühlmittel eingesetzt werden.
[2] Die Zahlen sind auf den Seiten des Statistischen Bundesamtes nachzulesen.

